Möbel & Elektro

Möbel kippsicher machen: Kippsicherung richtig anbringen

Kinder klettern Schubladen hinauf wie eine Leiter. Eine Kommode oder ein Regal kann dabei nach vorn kippen und ein kleines Kind unter sich begraben. Eine Kippsicherung an der Wand verhindert das für wenige Euro.

Die kurze Antwort: Jedes hohe oder kopflastige Möbelstück, also Kommode, Regal, Kleiderschrank und Bücherregal, gehört mit einer Kippsicherung an der Wand befestigt. Dafür reicht ein Gurt oder ein Metallwinkel, der oben am Möbel und mit einem zur Wand passenden Dübel verschraubt wird. Entscheidend ist der Dübel: Beton, Mauerwerk und Gipskarton brauchen unterschiedliche Befestigungen. Zusätzlich hilft es, schwere Dinge nach unten zu räumen und Schubladen gegen gleichzeitiges Öffnen zu sichern.

Betrifft

Kommoden, Regale, Schränke, Wickelkommode

Kosten

Einfache Sets meist im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Eurobereich

Zeit

Etwa 15 bis 30 Minuten pro Möbelstück

Schlüssel

Der richtige Dübel für deine Wand

Welche Möbel können kippen?

Gefährlich sind vor allem Möbel, die hoch, schmal und nach vorn offen sind. Eine Kommode mit ausgezogenen Schubladen verlagert ihren Schwerpunkt deutlich nach vorn. Hängt sich dann noch ein Kind an die oberste Schublade, reicht das oft, um sie zu kippen. Beim Regal wirken die Böden wie Stufen.

Auch niedrige Möbel können zum Risiko werden, wenn oben etwas Schweres steht. Ein Fernseher auf einem leichten Board ist ein bekanntes Beispiel. Für diese Kombination gibt es eine eigene Anleitung im Ratgeber Fernseher kippsicher machen.

MöbelstückKipprisikoEmpfehlung
Kommode mit SchubladenHoch, Schubladen wirken als LeiterImmer an der Wand sichern, Schubladenstopper ergänzen
Offenes BücherregalHoch, Böden laden zum Klettern einOben mit Winkel oder Gurt sichern
KleiderschrankMittel bis hoch, Türen verlagern GewichtAn mindestens zwei Punkten sichern
WickelkommodeMittel, mit Aufsatz kopflastigAn der Wand sichern, Aufsatz fest verschrauben
TV-Board mit GerätMittel, Gerät oben schwerMöbel und Gerät getrennt sichern
Niedriges SideboardGeringSicherung sinnvoll, wenn oben Schweres steht

Gurt oder Winkel: Welche Kippsicherung passt?

Es gibt zwei Grundformen. Der Gurt besteht aus zwei Halterungen, die mit einem Band verbunden sind. Eine Halterung kommt oben an die Rückwand des Möbels, die andere an die Wand. Der Vorteil: Das Möbel lässt sich etwas von der Wand abrücken, etwa wegen einer Fußleiste. Viele Möbel bringen einen solchen Gurt bereits im Karton mit.

Der Metallwinkel verbindet die Oberkante des Möbels starr mit der Wand. Er ist sehr stabil, verlangt aber, dass das Möbel direkt an der Wand steht. Für schwere Schränke ist er oft die bessere Wahl. Welche Variante du wählst, ist weniger wichtig als die richtige Montage. Befestige die Sicherung immer im oberen Bereich des Möbels, nie unten. Nur oben kann sie das Kippen nach vorn verhindern.

Wichtig: Schraub die Halterung am Möbel in massives Material, etwa in die Oberseite oder einen stabilen Rahmen. Eine dünne Rückwand aus Hartfaser hält die Kräfte nicht aus und reißt aus.

Welcher Dübel hält in welcher Wand?

Die beste Kippsicherung nutzt nichts, wenn der Dübel aus der Wand reißt. Klopf deshalb vorher auf die Wand. Klingt sie hohl, ist es meist Gipskarton. Klingt sie dumpf und fest, ist es Beton oder Mauerwerk. Bohrmehl gibt einen weiteren Hinweis: grau bei Beton, rot bei Ziegel, weiß bei Gips.

In Beton und Vollziegel hält ein normaler Spreizdübel gut. Für Lochziegel und Porenbeton gibt es spezielle Dübel, die sich im Hohlraum verknoten oder breit spreizen. In Gipskarton brauchst du einen Hohlraumdübel oder, noch besser, eine Befestigung im Ständerwerk dahinter. Schau vor dem Bohren mit einem Ortungsgerät nach Leitungen. Bohre nie senkrecht über oder unter Steckdosen und Schaltern, denn dort verlaufen häufig Kabel.

Unsicher bei der Wand? Frag im Baumarkt mit einem Foto nach oder lass die Montage von einer Handwerkerin oder einem Handwerker erledigen. Das kostet deutlich weniger als eine Verletzung.

Geht es auch ohne Bohren?

Es gibt Kippsicherungen zum Kleben. Sie funktionieren mit starken Klebepads an Möbel und Wand. Für leichte, niedrige Möbel können sie eine Notlösung sein. Bei schweren Kommoden, hohen Regalen und Kleiderschränken sind sie nicht die erste Wahl. Tapete, Putz oder Farbe lösen sich unter Zug oft von der Wand, und das Pad reißt mit ab.

Wenn du geklebte Sicherungen nutzt, prüf die Herstellerangaben zur maximalen Last und zu geeigneten Untergründen genau. Zieh nach dem Aushärten kräftig daran. Gibt etwas nach, reicht es nicht.

Darfst du in der Mietwohnung dafür bohren?

Ob und in welchem Umfang du Dübellöcher setzen darfst und ob du sie beim Auszug wieder verschließen musst, hängt vom Mietvertrag und vom Einzelfall ab. Sprich die Vermietung am besten vorher an und erkläre, dass es um die Sicherheit deines Kindes geht. Halte die Absprache schriftlich fest. Dieser Text ersetzt keine Rechtsberatung, im Streitfall entscheidet der Einzelfall. Mehr dazu, was du bohren darfst und wo die Grenzen liegen, steht im Ratgeber Kindersicherung in der Mietwohnung.

Was hilft zusätzlich gegen kippende Möbel?

Die Wandbefestigung ist die wichtigste Maßnahme. Drei Gewohnheiten senken das Risiko zusätzlich. Räum schwere Dinge wie Bücher und Ordner in die unteren Fächer. Spielzeug, das dein Kind begehrt, kommt ebenfalls nach unten, damit es nicht klettern muss. Und stell nichts Verlockendes oben auf Kommoden ab.

Schubladenstopper verhindern, dass mehrere Schubladen gleichzeitig offen stehen. Wie sie funktionieren und welche sich bewährt haben, zeigt der Ratgeber zur Schubladen- und Schranksicherung. Harte Ecken an niedrigen Möbeln entschärfst du mit einem Ecken- und Kantenschutz.

Kontrolliere die Sicherungen zweimal im Jahr, etwa beim Wechsel der Kleidung zwischen Sommer und Winter. Gurte können sich lockern, Schrauben im Möbel lösen sich durch das ständige Öffnen der Türen. Zieh kräftig am Möbel. Wackelt es oben, ziehst du die Schrauben nach oder setzt einen neuen Dübel.

Denk auch an den Treppenbereich und die Steckdosen hinter den Möbeln. Kinder, die Kommoden erklimmen, klettern auch an offenen Geländern. Lösungen dafür findest du im Ratgeber Treppengeländer kindersicher machen.

Ab wann sollte ich Möbel kippsicher machen?

Spätestens wenn dein Kind anfängt, sich hochzuziehen, meist im zweiten Lebenshalbjahr. Besser ist es, die Möbel gleich beim Aufbau zu sichern, dann ist die Arbeit erledigt, bevor das Kind klettert.

Reicht die mitgelieferte Kippsicherung aus?

Der mitgelieferte Gurt ist für das Möbel gedacht und reicht meist. Oft fehlt aber der passende Dübel für deine Wand. Den kaufst du passend zum Untergrund separat dazu.

Wo bringe ich die Kippsicherung an?

Immer im oberen Bereich des Möbels, in massivem Material wie der Oberseite oder einem stabilen Rahmen. Unten angebracht kann sie ein Kippen nach vorn nicht verhindern.

Hält eine Kippsicherung in Gipskarton?

Mit einem geeigneten Hohlraumdübel ja, sicherer ist aber die Befestigung im Ständerwerk dahinter. Ein Ortungsgerät zeigt dir, wo die Ständer verlaufen, und warnt vor Leitungen.

Muss ich die Kippsicherung nach einem Umzug neu anbringen?

Ja. Nach jedem Umzug oder Umstellen gehört das Möbel neu an der Wand gesichert. Prüf dabei den Gurt auf Risse und nutze Dübel, die zur neuen Wand passen.

Zuletzt aktualisiert: September 2026 · Vor dem Bohren auf Leitungen prüfen. Bei Unsicherheit über die Wand oder die Last eine Fachkraft beauftragen.

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