Notfallvorsorge

Notruf 112 mit dem Kind üben: ab wann und wie es funktioniert

Die meisten Kinder können ab etwa vier bis fünf Jahren einen einfachen Notruf absetzen, wenn sie es geübt haben. Gebraucht werden dafür nur drei Dinge: die Nummer, die Adresse und der Mut, nicht aufzulegen.

Die kurze Antwort: Übe mit deinem Kind ab etwa vier Jahren die 112, den eigenen Vor- und Nachnamen und die vollständige Adresse. Erklär ihm, dass es einfach erzählen darf, was passiert ist, und dass es erst auflegt, wenn die Leitstelle es sagt. Trainiert das im Rollenspiel mit zwei ausgeschalteten Handys, zweimal im Jahr. Eine Notrufkarte am Kühlschrank hilft auch Erwachsenen, die im Stress die Adresse vergessen.

Startalter

Etwa 4 bis 5 Jahre für die einfache Form, sicher meist ab 7

Übungsrhythmus

Zweimal im Jahr, je 10 Minuten, ganz ohne Ernstfallstimmung

Kosten

0 Euro, der Notruf ist bundesweit und in der EU kostenlos

Wichtigster Satz

Nicht auflegen, bis die Leitstelle es sagt

Ab welchem Alter kann ein Kind den Notruf absetzen?

Eine feste Altersgrenze gibt es nicht. Als grobe Orientierung: Mit vier bis fünf Jahren gelingt die einfache Form, also Nummer wählen, den eigenen Namen sagen und erzählen, was los ist. Ab etwa sieben Jahren können viele Kinder auch Adresse und Situation zuverlässig durchgeben.

Wichtiger als das Alter ist die Wiederholung. Ein Kind, das den Ablauf zweimal gespielt hat, handelt im Ernstfall deutlich sicherer als eines, dem man es einmal erklärt hat.

AlterDas sollte dein Kind könnenSo übst du es
3 bis 4 Jahreeigenen Vornamen sagen, Hilfe bei Erwachsenen holenRollenspiel mit Puppen, laut nach Hilfe rufen üben
4 bis 5 Jahre112 wählen, Vor- und Nachname nennen, erzählen was passiert istNummer als Reim, Anruf mit zwei ausgeschalteten Handys spielen
6 bis 7 JahreStraße, Hausnummer und Ort nennen, Fragen abwartenAdresslied singen, Notrufkarte gemeinsam ausfüllen
8 bis 10 JahreLage beschreiben, Anzahl der Betroffenen nennen, nicht auflegendrei Beispielfälle durchspielen, danach Rollen tauschen
ab 10 Jahren112 und 110 unterscheiden, Anweisungen umsetzenKurs am Kind besuchen, Ablauf jährlich auffrischen

Woran erkennt dein Kind, dass es ein Notfall ist?

Kinder brauchen keine Diagnose, sondern klare Bilder. Sag ihm, dass es sofort die 112 wählt, wenn jemand nicht mehr aufwacht und sich nicht bewegt, wenn jemand nicht mehr atmet oder ganz komisch schnappt, wenn es stark blutet und nicht aufhört, wenn jemand am ganzen Körper zuckt und nicht ansprechbar ist, wenn es brennt oder stark raucht, oder wenn jemand ins Wasser gefallen ist.

Genauso wichtig: Dein Kind darf immer anrufen, wenn es Angst hat und niemand hilft. Lieber ein Anruf zu viel als einer zu wenig. Wer in Ruhe wissen will, was er dazwischen tun kann, findet das in der Übersicht zur Ersten Hilfe bei Kindern.

Ausdrücklich: Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung und keinen Erste-Hilfe-Kurs. Er stellt keine Diagnose. Bei jedem unklaren Zustand gilt: erst ärztlich abklären lassen, nicht abwarten.

Was muss dein Kind am Telefon sagen?

Die alten fünf W-Fragen musst du niemandem auswendig beibringen. Die Leitstelle fragt alles ab, sie führt das Gespräch. Dein Kind muss nur antworten können.

  • Wo ist es passiert? Straße, Hausnummer, Ort, wenn möglich das Stockwerk.
  • Was ist passiert? In eigenen Worten, ganz einfach.
  • Wie viele sind betroffen? Eine Zahl reicht.
  • Welche Verletzungen? Was das Kind sieht, nicht was es vermutet.
  • Warten auf Rückfragen. Und genau hier kommt der wichtigste Punkt.

Bring deinem Kind einen einzigen Satz bei, den es sich merken soll: nicht auflegen, bis die Leitstelle es sagt. Viele Kinder legen auf, sobald sie ihre Sätze gesagt haben. Dabei beginnt die Arbeit der Leitstelle erst dann, sie leitet oft schon durch die ersten Maßnahmen.

Wie übt ihr Adresse und Nachnamen?

Adressen sind für kleine Kinder abstrakt. Was hilft, ist Rhythmus und Wiederholung im Alltag.

  • Adresslied: Straße, Hausnummer und Ort auf eine bekannte Melodie singen, beim Zähneputzen oder auf dem Weg zur Kita.
  • Reim für die Nummer: eins, eins, zwei, Hilfe kommt herbei.
  • Aufkleber am Festnetztelefon und an der Innenseite der Wohnungstür, mit Adresse in großer Schrift.
  • Notrufkarte am Kühlschrank mit Adresse, Elternnummern, Kinderarztpraxis und dem Giftnotruf des Bundeslandes.
  • Frag beiläufig nach: beim Einkaufen einmal wissen wollen, wie eure Straße heißt.

Wie du die Karte am Kühlschrank sinnvoll aufbaust, steht im Ratgeber zu Notfallkontakten für die Familie.

Wie funktioniert der Notruf vom gesperrten Handy?

Jedes Smartphone lässt einen Notruf zu, ohne dass jemand den Code kennt. Zeig deinem Kind, wo der Knopf sitzt, denn im Ernstfall ist keine Zeit zum Suchen.

Auf dem iPhone tippst du auf dem Sperrbildschirm unten links auf Notruf. Alternativ hältst du die Seitentaste zusammen mit einer Lautstärketaste gedrückt, dann erscheint der Notruf-SOS-Regler. Auf Android-Geräten steht am Sperrbildschirm ein Feld mit Notruf oder Notfall, je nach Hersteller unten mittig oder unten links.

Ein Notruf ohne SIM-Karte ist in Deutschland nicht möglich, das ausgemusterte Handy ohne Karte ist also kein Notfallgerät.

Wie übt ihr den Anruf, ohne wirklich anzurufen?

Nimm zwei ausgeschaltete oder alte Handys, setzt euch in verschiedene Zimmer und spielt das Gespräch. Du bist die Leitstelle, dein Kind ruft an. Danach tauscht ihr die Rollen, das ist der Teil, an dem Kinder Spaß haben und am meisten lernen.

  1. Situation vorgeben: Oma liegt am Boden und antwortet nicht.
  2. Kind wählt die 112 auf dem ausgeschalteten Gerät.
  3. Du meldest dich wie eine Leitstelle und fragst ruhig nach Ort und Lage.
  4. Rückfragen stellen, auch solche, die dein Kind nicht beantworten kann. Es soll lernen, dass Ich weiß es nicht eine erlaubte Antwort ist.
  5. Am Ende sagst du, dass es jetzt auflegen darf. Genau dieser Moment ist der Lerninhalt.

Spielt zwei bis drei Fälle durch, mehr überfordert. Ergänzend lohnt ein Erste-Hilfe-Kurs am Kind, den viele Anbieter auch für Familien anbieten.

Was passiert bei einem Fehlanruf?

Diese Sorge hält viele Familien vom Üben ab. Sie ist unbegründet. Wenn ein Kind versehentlich anruft und niemand spricht, versucht die Leitstelle zurückzurufen und klärt die Lage. Passiert ist nichts.

Der absichtliche Missbrauch des Notrufs ist strafbar, das gilt für Erwachsene. Ein Kind, das aus Sorge anruft, missbraucht den Notruf nicht. Sag deinem Kind ausdrücklich, dass es keinen Ärger bekommt, wenn es sich geirrt hat. Angst vor Ärger ist der häufigste Grund, warum Kinder im Ernstfall nicht anrufen.

112, 110 oder 116117: welche Nummer wofür?

Für kleine Kinder reicht die 112. Ältere Kinder können die Nummern unterscheiden lernen.

NummerWofürBeispiel
112Rettungsdienst und Feuerwehr, europaweitbewusstlose Person, Feuer, schwerer Sturz
110PolizeiEinbruch, Unfall mit Streit, bedrohliche Lage
116117ärztlicher Bereitschaftsdienst außerhalb der SprechzeitenFieber am Sonntag ohne Notfallzeichen
Giftnotrufeigene Nummer je Bundesland, auf die Karte schreibenKind hat an einer Reinigerflasche genuckelt
Telefonseelsorgekostenlose Beratung rund um die UhrKind oder Elternteil braucht ein Gespräch

Im Zweifel wählt ihr die 112. Die Leitstelle verbindet weiter. Was bei Vergiftungen zusätzlich gilt, steht im Ratgeber zu Vergiftungen bei Kindern.

Sollen wir zum Üben einmal wirklich die 112 anrufen?

Nein. Jeder Anruf bindet Personal, das anderswo gebraucht wird. Übt mit ausgeschalteten Handys im Rollenspiel. Viele Feuerwehren bieten außerdem Aktionstage mit echter Leitstellentechnik an.

Ab wann kann mein Kind allein zu Hause bleiben?

Das hängt von Reife und Dauer ab, nicht allein vom Alter. Vorher sollten Notruf, Adresse und Regeln sitzen. Der eigene Ratgeber dazu geht auf die Kriterien im Detail ein.

Muss mein Kind die fünf W-Fragen auswendig können?

Nein. Die Leitstelle fragt alles ab und führt durch das Gespräch. Wichtiger ist, dass dein Kind ruhig antwortet und erst auflegt, wenn die Leitstelle es sagt.

Funktioniert der Notruf auch ohne Guthaben oder Empfang?

Ohne Guthaben ja, der Notruf ist immer kostenlos. Ohne jeden Empfang nicht. Ein Notruf ohne eingelegte SIM-Karte ist in Deutschland ebenfalls nicht möglich.

Wie oft sollten wir das wiederholen?

Zweimal im Jahr reicht, etwa zum Schuljahresbeginn und im Winter. Zehn Minuten genügen. Kinder vergessen den Ablauf schnell, aber sie lernen ihn beim zweiten Mal deutlich schneller wieder.

Zuletzt aktualisiert: September 2026 · Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung und keinen Erste-Hilfe-Kurs.

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