
Alltagsgesundheit
Kind krank: Wann abwarten reicht und wann du zum Arzt musst
Kleine Kinder haben in den ersten Lebensjahren acht bis zwölf Infekte im Jahr – das ist normal und kein Zeichen für ein schwaches Immunsystem. Die eigentliche Aufgabe der Eltern besteht nicht darin, jeden Infekt zu behandeln, sondern die wenigen Situationen zu erkennen, in denen aus einem harmlosen Verlauf etwas anderes wird.
Sofort handeln – ohne abzuwarten
Bei diesen Zeichen rufst du den Notruf 112 oder fährst direkt in die Kinderklinik:
- Atemnot: schnelle, angestrengte Atmung, Einziehungen zwischen den Rippen oder am Hals, Nasenflügeln, blaue Lippen.
- Bewusstseinsstörung: Kind ist schwer weckbar, apathisch, reagiert nicht wie sonst.
- Nicht wegdrückbare Hautflecken: Wenn punktförmige Einblutungen beim Draufdrücken mit einem Glas nicht verblassen – möglicher Hinweis auf eine schwere Infektion.
- Nackensteife zusammen mit Fieber und Lichtempfindlichkeit.
- Krampfanfall, besonders wenn er länger als fünf Minuten dauert oder sich wiederholt.
- Fieber bei Säuglingen unter drei Monaten – hier gilt jede Temperatur über 38 Grad als Notfall.
- Anhaltendes Erbrechen ohne dass das Kind etwas bei sich behält, oder grünes Erbrochenes.
Am selben Tag zum Arzt
- Fieber, das länger als drei Tage anhält, oder erneut ansteigt, nachdem es schon gesunken war.
- Deutliche Trinkverweigerung und Zeichen von Flüssigkeitsmangel.
- Ohrenschmerzen, besonders einseitig und nachts.
- Bellender Husten mit pfeifendem Einatmen.
- Ausschlag mit Fieber, den du nicht einordnen kannst.
- Schmerzen, die das Kind nicht ablenken lassen – Bauchschmerzen rechts unten sind dabei besonders ernst zu nehmen.
- Der Eindruck, dass etwas anders ist als bei bisherigen Infekten. Dieses Gefühl ist erstaunlich verlässlich.
Was zu Hause hilft
| Beschwerde | Was sinnvoll ist |
|---|---|
| Fieber | leichte Kleidung, kühle Getränke, Ruhe; Fiebersenker nach Gewicht und ärztlicher Empfehlung – nicht nach Alter dosieren |
| Schnupfen | Kochsalzlösung, Oberkörper leicht erhöht, feuchte Raumluft |
| Husten | viel trinken, feuchte Luft; abschwellende Mittel bei kleinen Kindern nur nach Rücksprache |
| Durchfall und Erbrechen | löffelweise trinken statt große Mengen, orale Rehydratationslösung aus der Apotheke |
| Halsschmerzen | kalte oder weiche Kost, ausreichend trinken |
Wichtig bei Fiebersenkern: Die Dosis richtet sich nach dem Körpergewicht, und die Mindestabstände zwischen zwei Gaben müssen eingehalten werden. Fieber muss außerdem nicht zwingend gesenkt werden – es ist eine sinnvolle Abwehrreaktion. Behandelt wird, wenn das Kind darunter leidet, nicht weil das Thermometer eine bestimmte Zahl zeigt.
Der Anruf beim Arzt
Bereite drei Dinge vor: seit wann die Beschwerden bestehen, welche Temperatur wann gemessen wurde und wie viel dein Kind in den letzten Stunden getrunken hat. Damit kann die Praxis am Telefon deutlich besser einschätzen, wie dringend es ist. Außerhalb der Sprechzeiten hilft die 116117 weiter; bei den oben genannten Warnzeichen wählst du dagegen direkt die 112.
Und für die Zeit danach: Notiere dir kurz, was war und was geholfen hat. Beim nächsten Infekt – und der kommt – ersparst du dir die Frage, ob das damals auch schon so lange gedauert hat.
Ab welcher Temperatur ist es Fieber?
Ab 38,5 Grad spricht man von Fieber, zwischen 37,5 und 38,5 von erhöhter Temperatur. Die Zahl allein sagt aber wenig – ein munteres Kind mit 39 Grad ist weniger besorgniserregend als ein teilnahmsloses mit 38.
Wie erkenne ich, ob mein Kind zu wenig trinkt?
An trockenen Lippen und Mundschleimhäuten, deutlich weniger nassen Windeln oder Toilettengängen, eingesunkenen Augen und fehlenden Tränen beim Weinen. Das sind die verlässlichsten Alltagszeichen.
Wann darf mein Kind wieder in die Kita?
In der Regel, wenn es 24 Stunden fieberfrei ist und wieder isst, trinkt und am Geschehen teilnimmt. Bei meldepflichtigen Erkrankungen gelten eigene Regeln, die die Einrichtung nennt.
Zuletzt aktualisiert: August 2026 · Angaben ohne Gewähr · Titelbild: KI-generiert.